Gemeinde Schefflenz

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Gemeinde Aktuell

Ortsbereisung 1865 in Kleineicholzheim

Ortsbereisungen waren im 19. Jahrhundert Veranstaltungen, mit denen die Bezirksämter (entsprechen im weitesten Sinn den heutigen Landratsämtern) überprüften, inwieweit von den Gemeinden und Gemeindeverwaltungen die bestehenden Vorschriften, z. B. im Finanzgebaren, in der öffentlichen Hygiene oder bei den innerörtlichen Straßen, eingehalten wurden. Im Gemeindearchiv befinden sich Protokolle über Ortsbereisungen in Kleineicholzheim, die vom Bezirksamt in Adelsheim vorgenommen wurden. Schon der Text der Einladung vom 21. Mai 1865 durch das Amt ist mitteilenswert:

„I. Zur Vornahme der Ortsbereisung wird Tagfahrt [d. h. Festlegung des Termins, an dem die Vertreter des Amts in der Gemeinde erscheinen würden] auf Freitag, den 26. dieses Monats Morgens 8 Uhr anberaumt.
II. Nachricht dem Gemeinderathe Kleineicholzheim mit der Weisung, sich auf die bestimmte Stunde im Rathszimmer einzufinden u. den Rathschreiber, sowie den Gemeindsrechner sowie die Rechner der milden Fonds einzubestellen. Auch ist dafür zu sorgen, dass alle Personen, welche aus öffentlichen Mitteln unterstützt oder erhalten werden, anwesend sind.
In der Gemeinde ist bekanntzumachen, dass wir um die festgesetzte Zeit in Kleineicholzheim eintreffen und dass alle, welche Wünsche oder Beschwerden vortragen wollen, solche uns vortragen können.“

Der erste Wunsch kam vom Bürgermeister selber. Er bat um eine Gehaltserhöhung. Der diesbezügliche Text im Protokoll lautet:
„Der Bürgermeister bittet um Erhöhung seines Gehaltes auf 50 Fl. [Gulden], da er bei dem bisherigen Gehalte zu großen Schaden in seiner Oeconomie [Landwirtschaft] und er auch für die Freistellung seiner Wohnung als Rathsstube und Registratur keinerlei Vergütung beziehe und bisher bezogen habe.
Der Gemeinderath erhält den Auftrag, dem Bürgermeister entweder einen Mietzins zu bewilligen oder seine Bitte um Gehaltserhöhung der versammelten Gemeinde vorzutragen, zu empfehlen und das Ergebniß in Bälde zu berichten, um weiter darauf verfügen zu können.
Adelsheim am 26. Mai 1865.
Kugler“

Die einzelnen Anordnungen der Bereisungskommission sind jeweils auf einzelnen Protokollblättern aufgeführt. Nach dem Wunsch des Bürgermeisters befasst sich die Kommission mit dem Gemeindevermögen. In dem Dokument heißt es u. a.:
„Die Einnahmerückstände von 106 Fl. 46 Kr. [Kreuzer], welche als Aktivkapital bei der Sparkasse Adelsheim ausgestellt waren, sind nach Erklärung des Rechners bereits im Januar d. J. [dieses Jahres] eingezogen worden. Der Schuldentilgungsplan ist in Bezug auf die Schulhausbauschuld auch in den letzten 3 Jahren eingehalten worden, und voraussichtlich wird diese einzige Gemeindeschuld binnen 5 Jahren abgetragen sein.“
Weitere Anordnungen infolge der Ortsbereisung werden in einem der nächsten „Schefflenzer Boten“ mitgeteilt. Dabei geht es u. a. um eine Korrektion des Eberbachs und um die Gemeindebaumschule.